Stellen Sie sich vor, Sie wachen eines Morgens auf und merken, dass scheinbar einfache Dinge plötzlich kompliziert, unübersichtlich oder sogar beängstigend sind. Die Uhrzeit auf der Küchenwand ist schwer zu lesen, das gewohnte Kaffeeservice liegt plötzlich an einem fremden Ort, und der Einkaufszettel, den Sie gestern noch geschrieben haben, scheint Ihnen heute wie in einer fremden Sprache geschrieben. Genau das erleben täglich Menschen mit Demenz – und oft ist es für Außenstehende kaum nachvollziehbar, wie sehr solche kleinen Hürden den Alltag prägen und die Selbstständigkeit einschränken.
Der Alltag von Menschen mit Demenz ist geprägt von Herausforderungen, die Außenstehenden oft kaum bewusst sind. Der Demenzsimulator bzw. Demenzparkour bietet die Möglichkeit, diese Realität hautnah zu erleben. Teilnehmende erfahren, wie sich kognitive Einschränkungen im täglichen Leben auswirken – sei es beim Anziehen, Einkaufen oder bei sozialen Interaktionen.
Die gesellschaftliche Relevanz ist enorm. In Deutschland leben derzeit rund 1,6 bis 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, allein in Österreich sind es rund 170.000, Tendenz steigend.
Der Demenzparkour macht erlebbar, wie kognitive Einschränkungen, Gedächtnisstörungen, Orientierungsprobleme und emotionale Belastungen das Verhalten und die Stimmung von Betroffenen beeinflussen. Teilnehmende erleben nicht nur die körperlichen und kognitiven Einschränkungen, sondern auch die psychische Belastung, die Unsicherheit, Frustration und soziale Isolation verursachen kann.
Durch diese immersive Erfahrung werden Verständnis, Empathie und Sensibilität gefördert – wichtige Voraussetzungen, um professionell, respektvoll und wertschätzend mit Menschen mit Demenz umzugehen. Ob in Schulungen für Pflegekräfte, Mitarbeitende im Kundenservice oder in öffentlichen Sensibilisierungsaktionen: Der Demenzparkour bietet praktische Einblicke in die Lebensrealität Betroffener, die Theorie und Alltagspraxis sinnvoll miteinander verbinden.
Gesellschaftliche Bedeutung von Demenz
Österreich
Rund 170.000 Menschen in Österreich leben derzeit mit Demenz- Jährlich kommen 30.000-40.000 Neuerkrankungen hinzu
- Bis 2050 wird die Zahl der Erkrankten voraussichtlich auf 290.000 steigen
- Schon heute benötigen rund 70 % der Betroffenen Unterstützung im Alltag
Deutschland
- In Deutschland leben derzeit rund 1,6 bis 1,8 Millionen Menschen mit Demenz
- Die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr liegt schätzungsweise bei 360 000 – 440 000 Fällen
- Durch den demografischen Wandel könnte die Zahl der Menschen mit Demenz bis 2030 auf über 2 Millionen steigen
Einschränkungen die mit dem Demenzsimulator erlebt werden
Der Demenz Parkour ermöglicht es, die Lebenswelt von Menschen mit Demenz hautnah kennenzulernen. Sie begleiten Frau „Erna Müller“ durch ihren Alltag, vom Anziehen bis zum Abendessen. An unterschiedlichen Stationen erleben Sie Ihre eigenen Grenzen, Unbehagen und das Unvermögen, das im Zusammenhang mit Demenz auftreten kann. Neben kognitiven Einschränkungen, können auch emotionale Belastungen und damit Veränderung der Stimmung und der Gefühle wahrgenommen werde.
Mit dem Demenzsimulator werden unter anderm folgenden Fähigkeiten eingeschränkt:
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Lesefähigkeit: Schwierigkeiten beim Erfassen und Verstehen von Texten, Menüs oder Anleitungen.
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Wahrnehmung, Koordination, Feinmotorik: Eingeschränkte Handgeschicklichkeit, Stolperfallen oder Probleme beim Greifen und Bedienen von Gegenständen.
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Sprache und Sprachverständnis: Wortfindungsprobleme, verzögertes Reaktionsvermögen und Missverständnisse in der Kommunikation. -
Merkfähigkeit und episodisches Gedächtnis: Vergessen von Aufgabenfolgen, Orten oder Personen.
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Orientierung und komplexe Handlungen: Schwierigkeiten bei zeitlicher und räumlicher Orientierung, Planung und Ausführung von alltäglichen Aufgaben.
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Mentale Belastung und Stimmungsveränderung: Angst, Frustration oder Stress, die sich durch die Einschränkungen verstärken.
Aufbau des Demenzparkours
Der Demenzparkour ist modular aufgebaut und besteht aus mehreren interaktiven Stationen, die typische Einschränkungen des Alltags simulieren. Jede Station fokussiert auf unterschiedliche Bereiche der kognitiven, motorischen oder emotionalen Fähigkeiten.
Viele Stationen arbeiten mit Spiegelboxen oder anderen speziellen Hilfsmitteln, um Wahrnehmung, Koordination und Handlungsfähigkeit gezielt einzuschränken. Teilnehmende müssen alltägliche Aufgaben lösen, während die Simulation die typischen Barrieren von Demenz verdeutlicht.
Durch die Kombination aus praktischer Selbsterfahrung, Reflexion und fachlicher Anleitung wird ein tiefes Verständnis für die Betroffenen geschaffen. Ziel ist nicht, Frust zu erzeugen, sondern Empathie und Handlungskompetenz zu stärken.
Unsere Schulung, Workshop & Events mit dem Demenzsimulator/Demenzparkour
Schulungen für Mitarbeiter im Kundenkontakt
Ein besonderer Fokus liegt auf Schulungen für Mitarbeitende im Handel, in der Gastronomie sowie bei Banken, Versicherungen und im Dienstleistungssektor. Gerade dort ist es entscheidend, Menschen mit Demenz respektvoll und rechtssicher zu begegnen. Ein zentrales Thema ist der Vertragsabschluss: Teilnehmende lernen, die Bedürfnisse von Betroffenen zu erkennen, sensibel zu reagieren und rechtliche Aspekte zu berücksichtigen. So wird sichergestellt, dass Verträge wirksam und fair abgeschlossen werden, während gleichzeitig ein würdevoller Umgang mit Kunden gewahrt bleibt.
Veranstaltungen für Städte und Gemeinden
Viele Städten und Gemeinden bieten inzwischen Demenz-Parcours im Rahmen von Schulungen oder öffentlichen Veranstaltungen an.
Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und die Gesellschaft für das Thema Demenz zu sensibilisieren.
Schwerpunkttage in Schulen und Bildungseinrichtungen
Der Demenzsimulator eignet sich ideal um Schüler:innen und Studierende für die Lebensrealität von Menschen mit Demenz zu sensibilisieren und Empathie sowie Sozialkompetenz zu fördern.
Schulungen für Pflege- und Gesundheitsberufe
Die Teilnahme an einem Demenzparkour ist nicht nur für Angehörige sinnvoll. Auch Mitarbeitende in der Pflege, Ärzte, Therapeuten und ehrenamtliche Helfer profitieren von dieser Erfahrung. Sie erhalten wertvolle Einblicke in die Lebenswelt von Betroffenen und können ihr Verhalten sowie ihre Kommunikationsweise besser anpassen. Das wiederum führt zu mehr Empathie, Geduld und Verständnis im Alltag.
Betriebliche Gesundheitsförderung
Auch Unternehmen können den Demenzparkour im Rahmen der BGM-Maßnahmen einsetzen. Mitarbeitende erkennen, wie Demenz die Lebenswelt prägt, und entwickeln strategien für gesunde Arbeitsgestaltung, Prävention und Sensibilisierung.
Demenzsimulator als Ergänzung zu Alterssimulationsanzügen
Der Demenzsimulator lässt sich ideal mit Alterssimulationsanzügen kombinieren, um ein noch umfassenderes Verständnis für die Herausforderungen des Älterwerdens zu vermitteln. Während Alterssimulationsanzüge vor allem physische Einschränkungen wie Gelenksteifigkeit, Kraftverlust oder reduzierte Beweglichkeit erlebbar machen, ergänzt der Demenzparkour diese Erfahrung um kognitive und emotionale Dimensionen. Teilnehmende erleben nicht nur, wie sich körperliche Belastungen auswirken, sondern auch, wie Gedächtnislücken, Orientierungsschwierigkeiten oder Kommunikationsprobleme den Alltag beeinflussen.
Die Kombination beider Simulationen bietet einen ganzheitlichen Perspektivenwechsel, der sowohl für Pflegekräfte, Mitarbeitende im Gesundheitswesen als auch für Mitarbeiter im Kundenservice oder Betriebliche Gesundheitsförderung wertvoll ist. In praxisnahen Workshops und Schulungen können Teilnehmer:innen zuerst körperliche Einschränkungen durch den Anzug erleben und anschließend die kognitiven Herausforderungen im Demenzparkour nachvollziehen. Dieser Ansatz fördert Empathie, Sensibilität und praxisnahe Lösungsstrategien für den Alltag mit älteren Menschen und Menschen mit Demenz.
FAQs – Demenzsimulator / Demenzparkour
1) Wie wird der Demenzsimulator eingesetzt?
In der Regel wird der Demenzsimulator als pädagogisches Element genutzt. Das bedeutet, dass er immer inhaltlich eingebettet ist: Fachinput, Reflexion und Ableitung von Verhaltensstrategien – je nach Branche – stehen im Vordergrund. Typische Einsatzformen sind Schulungen, Workshops oder Trainings für Pflege, Kundenservice oder Betriebliche Gesundheitsförderung. Die Erlebnissituation kann auch öffentlich ohne Anmeldung angeboten werden, z. B. bei Gesundheitstagen oder Stadtfesten.
2) Wie funktioniert der Demenzsimulator? Habe ich danach tatsächlich Demenz?
Nein, der Demenzsimulator erzeugt realitätsnahe Einschränkungen, um die Wahrnehmung, Orientierung, Gedächtnisleistung und emotionale Belastung nachzuvollziehen. Er kann die Erfahrung von Demenz nicht vollständig abbilden, da die Erkrankung individuell sehr unterschiedlich verläuft. Einzelne Aspekte werden jedoch deutlich erlebbar, und die Simulation vermittelt einen direkten Zugang zu den Herausforderungen und schafft Awareness für den Umgang mit Betroffenen.
3) Wie lange dauert der Demenzparkour?
Die Dauer variiert je nach Konzept. Typische Seminare oder Workshops dauern 0,5- 1,0 Tage. Bei öffentlichen Veranstaltungen können die TeilnehmerInnen belieb viele Stationen besuchen, wordurch die Dauer individuell von rund 15 Minunten bis 1,0 Std liegt.
4) Was kostet der Einsatz des Demenzsimulators?
Die Kosten hängen von Dauer, Teilnehmerzahl und Umfang ab. Auf Anfrage erstellen wir ein individuelles Angebot.
5) Für welche Zielgruppen eignet sich der Demenzparkour?
Mitarbeitende im Kundenservice (Handel, Gastronomie, Banken), öffentliche Institutionen, Betriebliche Gesundheitsförderung (alle Branchen), Schulen und Bildungseinrichtungen, Pflege- und Gesundheitsberufe.
6) Benötige ich Vorerfahrung für die Teilnahme?
Nein. Der Parcours ist für alle Erfahrungslevel geeignet, da erfahrene Fachkräfte die Teilnehmer anleiten und begleiten.
7) Wie viele Teilnehmer können gleichzeitig teilnehmen?
Abhängig vom Parcours und Konzept. In Schulungen sind es in der Regel 12–16 Personen. Größere Veranstaltungen können auch größeren Besucherandrang aufnahmen.
8) Kann der Demenzparkour auch für öffentliche Veranstaltungen gebucht werden?
Ja, der Parcours eignet sich hervorragend für Gesundheitstage, Stadtfeste oder Seniorenevents. Hier kann er auch ohne vorherige Anmeldung von Besucher:innen erlebt werden, um Awareness in der breiten Öffentlichkeit zu schaffen.
9) Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es?
Alle Stationen werden von geschultem Personal betreut, Hindernisse und Aufgaben sind so gestaltet, dass sie physisch sicher durchgeführt werden können.
10) Was nehme ich persönlich aus der Erfahrung mit?
Teilnehmende entwickeln Empathie, Verständnis und Handlungskompetenz, erkennen die Herausforderungen von Demenz im Alltag und lernen Strategien für professionellen und respektvollen Umgang.
11) Kann der Demenzsimulator auch als Ergänzung zu Alterssimulationsanzügen eingesetzt werden?
Ja, der Demenzparkour lässt sich hervorragend mit Alterssimulationsanzügen kombinieren. So können Teilnehmende nicht nur kognitive Einschränkungen, sondern auch physische Alterserscheinungen gleichzeitig erleben. Die Kombination verstärkt das Verständnis für alters- und demenzbedingte Herausforderungen und bietet ein noch realistischeres, praxisnahes Erlebnis für Schulungen, Workshops oder Sensibilisierungsmaßnahmen.
